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Gedichtsbände

Plakat_fertig01

Wissen – weise – Hölle

Wir wollen alles wissen, da wir neugierig sind – das sind wir aus Überlebens-
Strategie. Weißt du alles kannst du die Umwelt erkennen, beherrschen.
Wissen ist Information, die überprüfbar ist (empirisch).
Wissen verhindert nicht seine Zunahme, sondern fördert eher seine ver-
mehrte Zunahme.
Wissen ist erst einmal wertfrei – erst…
Der Weise weiß dieses Wissen einzuordnen, zu strukturieren, zu bewerten.
Er kann auch diesem Wissen seine Erfahrung bzw. seine Intuition hinzu
fügen – und damit zu einer höheren Erkenntnis gelangen.
(also hinter die Erscheinung, die äußere Wahrnehmung gelangen!)
d.h. Weisheit ist Wissen zu verstehen…

Warum ist Glauben eher positiv?
Es geht um die Verheißung der „unsterblichen Seele“, des ewigen Lebens –
wenn du „gut“ (positiv, im Sinne der Religion) bist.
Dazu gehört der innere Widerspruch des „böse“ – Seins. Er ist nicht der
Widerspruch zum Glauben od. innerhalb des Glaubens, er ist als „Hölle“
Teil dieses. (Der Mensch wird auf den „rechten Weg“ gebracht)

Klagenfurter Studie über „Weisheit“ (WDR/Quarks+Co.14.08.2012):
Weisheit ->
Offenheit ->. <- Mastery
Reflektive. <- Emotionsregulation
Grundhaltung->. LEBENSEREIGNISSE
Emphatisch ->. <- Altruismus

Alle Ereignisse bringen den Menschen weiter!

Kriterien für Weisheit ( Studie s.o.)
1) Offenheit 2) Gefühle steuern
3) Reflexion. 4) Mastery
1) keine Angst vor neuen Ideen und Veränderungen
2) sensibel mit eigenen und anderen Gefühlen
3) über sich, das Leben und andere Menschen
4) man kann im Leben nicht alles kontrollieren –
c aber man ist auch nicht völlig ausgeliefert

Trost auf Flaschen

Ich war dabei, als der Trost
auf Flaschen abgefüllt wurde.
Wir tranken die ersten.
Und unsere Hoffnung gebar Träume.
Die Welt wunderbar und berauschend.
Das Elend war schon eingepreist.
Die Zeche zu zahlen.

 

Christentum verblasst

über Christentum, Braunschweiger Zeitung 30.10.2013, S.3

 

 

Zum Lazarus
Heinrich Heine

 

                  
Laß die heil'gen Parabolen,
Laß die frommen Hypothesen -
Suche die verdammten Fragen
Ohne Umschweif uns zu lösen.

Warum schleppt sich blutend, elend,
Unter Kreuzlast der Gerechte,
Während glücklich als ein Sieger
Trabt auf hohem Roß der Schlechte?

Woran liegt die Schuld? Ist etwa
Unser Herr nicht ganz allmächtig?
Oder treibe er selbst den Unfug?
Ach, das wäre niederträchtig.

Also fragen wir beständig,
Bis man uns mit einer Handvoll
Erde endlich stopft die Mäuler -
Aber ist das eine Antwort?

Wenn es eine Seele gäbe…

Wenn es eine Seele gäbe…?
Wäre es spannend nach dem Tod zu erfahren, ob es Gott gibt?Variante A)
Seele, das Individuellste eines Menschen
sie unterscheidet sich von jedem anderen; sie ist die Signatur
sein Image, AbbildStirb der Mensch, so auch die Seele – als Gesamtheit des Individuums
ein Abbild, eher Schatten ihrer bleibt bestehen,
in der Erinnerung der Hinterbliebenen -> “ unsterbliche Seele“ hat
einen Bezug auf die Menge und die Intensität der Erinnerung an
ein Individuum –
-> erinnert sich keiner ist die Seele so tot wie der Körper
-> die Seele an sich ist verpufft, ihre Energieform hat sich geändert –

Die Energie ist per Erinnern auf andere übergegangen .

Variante B)
Die Seele ist der Fingerabdruck des Individuums, unverwechselbar
und eins mit ihm -> Seele = Individuum !

Dreidimensionales (incl. „Zeit“) Abbild des Individuums [alles was nicht physisch ist]. Gefühle -> Schnittstelle zwischen Körper und Seele

Ihre Unsterblichkeit ist die Imagination in den Köpfen
der Hinterbliebenen.
Ihre eigene Energieform kann ohne Leben nicht erhalten
werden (verliert ihre Struktur -> Energieumwandlung).

Seele ist der an den Körper gebundene Schatten [als Schlemil seinen
Schatten verkaufte, verkaufte er seine Seele und das Licht (des
Lebens) ließ ihn fremd werden].
Die dritte Dimension des Schattens ist die an den Körper (das
Leben) gebundene Bewegung.

Wahrheit, was ist das?

Als ich ein Kind, als ich Jugendlicher und als ich Erwachsener war, war Wahrheit ganz eindeutig.
All die Zeit gab es zwar innerliche Widerstände gegen das, was von außen mir als Wahrheit zugetragen wurde oder was ich selber als Wahrheit unumwunden empfand, jedoch die kritische Reflexion war immer kleiner als das Bedürfnis etwas für wahr zu empfinden – es ist ja auch einfacher eine Wahrheit, die vermeintlich eineindeutig ist, zu akzeptieren als sie zu hinterfragen.
Auch die Menschen mit denen man aufwächst, zusammen ist, zu denen man Beziehungen entwickelt, spielen eine Rolle für das, was man wahrhaben will. Wenn die Realität nicht den innerlichen Empfindungen oder Glaubensausrichtungen entspricht, versinkt die Verstandeswelt, vor allem aber die Emotionalität, mit der man vorher Entscheidungen gefällt hat und sie als richtig wähnte, in ein Chaos. Dieses Chaos ist aber nicht nur eine ungeordnete Ordnung, sondern es ist eine Leere.
Ich hatte mehrere fundamentale Veränderungen meines Denkens in meinem Leben.
Die erste fand statt nach dem 2. Juni 1967 (Tod von Benno Ohnesorg). Danach löste ich mich von den bis dahin wichtigen Einflüssen durch meinen Vater. Jetzt erst bemerkte ich, dass ich
vorher das Sprachrohr der Meinungen dieses Mannes war. Noch in der Diskussion am Arbeitsplatz, wer denn Schuld habe am Tod von Benno Ohnesorg, weiß ich genau, dass sich gegen die Mehrzahl der Diskutierenden einfließen ließ, dass die Polizei mit Recht in dieser
Weise eingegriffen haben musste. Und das war durchaus die Meinung meines Vaters, er hatte sie nicht explizit ausgedrückt, jedoch hatte ich keinen Zweifel daran, dass das seine Meinung
gewesen sein musste.
Den Einfluss meines Vaters belegt auch mein Widerstand (ein halbes Jahr zuvor) nicht in die Gewerkschaft einzutreten, mit der Begründung, die von meinem Vater sein könnte (der ein
„Trittbrettfahrer“ war, also nicht in der Gewerkschaft war aber von den Tarifverträgen profitierte), „Meine Interessen kann ich besser selber vertreten als sie das könnte.“(Worin ein Großteil Hochmut und Arroganz zum Vorschein kam).
In der folgenden Periode von circa zweieinhalb Jahren, festigte sich meine Vorstellung von Wahrheit sehr massiv. Ich bekam Informationen und Wissen von denen bzw. dem ich vorher
keine Ahnung gehabt hatte. Ich war neugierig, wissbegierig und so war es kein Wunder, dass sich in dieser Zeit mein Wissen um ein Vielfaches vermehrte. Ich traf Leute, die Kombinationen in ihren Gedanken und Konsequenzen daraus mir vortrugen, so dass sich
verblüfft darüber war, früher ähnliches noch nicht gedacht zu haben. Heute würde man sagen, das war wie eine Frischzellenkur des Verstandes.
Die Neugierde und Überraschung der neuen Informationen führten auch dazu, dass aus jetziger Zeit betrachtet, die Kritikfähigkeit sich hier noch nicht ausbildete. Also ich war noch nicht in der Lage zu relativieren, ich war noch nicht in der Lage zu beurteilen ob etwas was mir plausibel dargestellt wurde auch plausibel inhaltlich war.
Mir reicht es zu diesem Zeitpunkt, einfach wissen auf Wissen zu stapeln, ohne dieses Wissen zu reflektieren, das heißt zu hinterfragen. Damit ging mir ein wichtiger Punkt von Wahrheits-
Wahrnehmung abhanden.
So traf mich also am 9. November 1989 ein gewaltiger Schock als das von mir doch am positivsten bewertete System scheinbar plötzlich aufgab.
Danach hatte sich die Welt für vollkommen verändert – für mich!
Was vorher in schönen definierten Schubladen klar war, also Wahrheit war, zumindest für mich, stellte sich plötzlich als infrage zu stellen heraus. Kein Part, der sonst von mir brillant gezeichneten Weltpolitik war plötzlich genau interpretierbar. Allgemeine Schwarzweiß-Vorstellungen von den Dingen um mich herum begannen plötzlich auch Grautöne anzunehmen und damit ihre Eindeutigkeit zu verlieren. (Später erfuhr ich: „die Eule der
Minerva fliegt erst in der Dämmerung…“ – es relativiert nicht die Erkenntnis, sondern setzt nur die Voraussetzungen neu und gibt zu verstehen, das Grau nicht unbedingt Unwahrheit sein muss und dass es keine weiße Wahrheit und keine schwarze Nicht- Wahrheit gibt –
Wahrheit also mehr als ein richtiges ist.)
Gerade der Übergang von etwas in nichts oder von nichts in etwas, also das Entstehen, sich verändern oder Vergehen muss in die Betrachtung von Wahrheit entschieden mit einbezogen werden, weil an diesen Schnittstellen die Lüge und nicht Lüge überhaupt erst deutlich wird.
Also der 9. November 1989, wo ich auch noch um circa 19:10 Uhr Live den Untergang der DDR erlebte war für mich kein Glücksmoment. Es zerbrach, so wenig ist die DDR kannte, ein
Alternativmodell für die Bundesrepublik, also für eine mögliche politische Zukunft.
Ich bin zwar nicht ausgewandert nach Poona, wie ich später in einem Gedicht als mögliche Optionen für Intellektuelle vorausgesehen habe (was auch tatsächlich nach den 68er Jahren von einigen frustrierten Aktivisten praktiziert wurde – wobei „Poona“
immer steht für Rückzug auf das Individuelle – Guru ist mein Führer). Für mich jedoch war mein Rückzug, mich aus vorwitzigen politischen Diskussionen herauszuhalten. Ich wusste nicht mehr, was auf der
Welt richtig wahr und falsch.
Ganz nebenbei fing ich an Gedichte zu schreiben, belangloser erst. Gab es jedoch Zuhörer, die meinten, es wäre nicht uninteressant, was ich von mir gäbe, so wurde ich ernsthafter mit dem was ich schrieb. Ja, ich verfasste seitdem, also innerhalb von circa 20 Jahren weit über 500 Buchseiten Gedichte. Im zweiten (dem ersten professionell gestalteten Band) Band hatte ich einen Untertitel, der mir wirklich wichtig war: „Eine Suche nach Wahrheit“.
Wieder wollte ich versuchen die Wahrheit als ein Lebenselixier, die Wahrheit als das Ultimaratio, die Wahrheit als das endgültige zu entdecken (soeben erscheint mir das wie die Suche nach Gott).
Wäre Gott Wahrheit, wäre, wenn seine Existenz wahr wäre, auch Wahrheit eindeutig.
Nun ist mir das aber nach all den Erfahrungen, die ich bisher gesammelt habe zu wenig und wie ich ein wenig oberhalb in Klammern schon formuliert habe, gibt es doch etwas mehr als
eine Eindeutigkeit – Grauheit lässt einen Gott nicht zu, sondern eher „Fuzzy Logik“. Wahrheit bedarf des Verstandes, der die Regeln, die für ein menschliches Zusammenleben notwendig sind als Priorität in den Vordergrund stellt (man kann es auch Ethik nennen).
Nun bin ich also endlich beim Verstand gelandet, den ich auch vorher schon verdächtigt hatte, mich ständig zu beeinflussen. Doch, da der Verstand mir gehört, schließe ich momentan spontan daraus, dass auch die Ergüsse dieses Organs mir gehören (Vernunft!).
Es geht weiter nur eine Weile…

Wahrheit und der Weg zu ihr

Die Wahrheit ist das Ziel des Denkens
(eigentlich ist es Wunsch sie zu erlangen)
Die Suche nach der „absoluten“ Wahrheit ist das denkende Leben.
These:
Es gibt nur eine Wahrheit, das ist der Tod!
(empirisch beweisbar, jedem einsichtig)
Fände man die Wahrheit wäre es das Ende (glückliches Ende).Die Suche nach „der Wahrheit“ kann nur grau sein,
unklar, durchscheinend zwar aber nicht durchsichtig,
Erst nach dem der Gedanke (die Frage) formuliert ist,
überprüft ist auf Ergebnisse, ist der Teilschritt der
Suche temporär bestätigt.

Die Ahnung von Wahrheit ist subjektiv –
Wahrheit muss aber sowohl subjektiv als auch objektiv
wahr sein.
Wahrheit gilt für alle Subjekte!

Wahrheit eine Illusion

Wahrheit ist Bequemlichkeit
Aktiv:
Absolutheit setzt die Gedankenbewegungen außer Kraft
Dogmatismus ist die Folge
Macht ist die Mutter der Idee
Nichts gilt mehr als siePassiv:
Wahrheit, die es nicht gibt ist Ideenfabrikant für legalisierten
Terrorismus (im Kopf und im Körper)
Wahrheit ist das Paradies (Schlaraffenland?)
Es gibt kein Glück am Ende

Fehler:
Die Gedanken stehen nicht fest,
es sei man höre auf zu denken
und lasse die Grautöne aus –
schwarz und weiß bleiben.
Kleine Betrachtung, keine Argumentation
kann die Freiheit des Gedankens begrenzen.
Es sei man begrenze das Leben
und tötete die Freiheit.

Einst fürchtete ich mich vor Vergangenem
und dem Jetzt –
also maßregelte ich alles in der Gegenwart
und lege die Regeln an.
Die Welt wird schöner, bunter,
weil ich sie anstreiche, sage es ist gut so.
Ich habe keinen Gott mehr,
jedoch habe ich seine Stelle eingenommen.
Ich weiß was gut ist, Ich mache die Regeln,
Ich kenne die WAHRHEIT!
(Ich schöpfe sie.)

Helfersyndrom

So saß ich da
und guckte zu,
als diese Welt geschaffen war.
Zurückgelehnt
im Ohrensessel
beschaute ich die Werke.

Mein Gott,
wie war ich froh,
nicht selbst der Schöpfer
sein zu müssen.
Vorschläge ja wohl,
in stiller Kammer.

Welch kühner Geist,
würd jedem Menschen
innewohnen,
könnt er nur schaffen.
Doch fehlt die Arbeit,
erstickt der Mut.

Der Zweifel nagt,
es ist schon spät,
an Neuerungen zu glauben?
In meinem Lehnstuhl
weiß ich’s nicht,
ich verweile.

Ressourcen schlummern,
in einem kurzen Leben,
riesengroß und warten
auf die Hand, die zugreift,
um Gottes Schöpfung
auszugleichen.

© R.Beinlich, 2007

Erosionen

Stück für Stück
bricht weg,
was gestern erst geschaffen ward.
Frisch gekalkte Wände,
übertüncht.

Wind und Wetter,
Sturm und Drang
nach vorne drängen.
Kein Wort mehr,
von der gestrigen Sicht.

Was gestern noch
für gut erachtet,
gilt heute schon nicht mehr.
Als wär es nie
gewesen.

In meinem Stück,
haben all die Lieben
eine Rolle mal gespielt.
Sand und schlechtes Wetter
spülten sie hinfort.

Und plötzlich brechen Stücke
aus mir heraus.
Verloren sind die festen Teile,
die einstens mich gestärkt
in meinem Anderssein.

Es schleift die Welt
die Kanten rund,
doch wenn die Kanten nicht
mehr Kanten sind,
verliert sie ihr Gesicht

Ein Antlitz
muss erkennbar bleiben,
nach Wind und Wettertoben.
Ich weiß sonst nichts,
was mich erinnern könnt.

Neu08





© aus "LAND UNTER", R.Beinlich, 2009